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„Manchmal muss man aus der Rolle fallen, um nicht in die Falle zu rollen.“

Dieses herzerfrischende Zitat geht auf die großartige Familientherapeutin Virginia Satir zurück. Sie kreierte diesen Satz, als sie erkannte, wie sehr wir uns in der Familie gegenseitig beeinflussen – einfach durch unser So-sein wie wir sind. Und wenn die Strukturen zu festgefahren sind, ist es wichtig, anders als erwartet zu reagieren, damit das Umfeld wieder „wach“ wird und Dinge – einschließlich uns selbst- nicht selbstverständlich nimmt.

Wir alle wurden in den letzten Monaten vom Leben her veranlasst, aus der Rolle zu fallen! Möglicherweise um nicht in eine Falle zu rollen…?

Und jetzt?

Wollen wir jetzt weitermachen wie bisher? Soll all das umsonst gewesen sein, was wir erlebt, durchlitten, erfahren, erkannt und genossen haben? Ich glaube, dass uns das Leben eine großartige Möglichkeit geboten hat UND bietet, um Erfahrungskompetenz aufzubauen. Diese entsteht dann, wenn wir mit und durch unser persönliches Erleben etwas Wertvolles daraus -für uns und unser Umfeld- generieren können. Etwas, was uns hilft, weniger zu urteilen und möglicherweise vorzuverurteilen, etwas als zu selbstverständlich zu betrachten und uns lehrt, einen klaren, wenn notwendig kritischen Blick, auf die aktuellen Geschehnisse zu werfen.

Neues Mindset – aber WIE?

Nichts ist selbstverständlich. Alles ist Geschenk, geliehen auf Zeit, lehrt uns Viktor Frankl. Und wir haben keinen Anspruch darauf. Manchmal verhalten wir Menschen uns allerdings so, als hätten wir einen Anspruch darauf! Das halte ich für eine große Falle, in die wir täglich hineinrollen können. Wir haben keinen Anspruch auf die Liebe und Fürsorge unserer Mitmenschen oder auf einen Arbeitsplatz – ja, nicht einmal auf Gesundheit haben wir einen Anspruch. Hör einmal Menschen beim Reden zu. Wie oft hörst du, solche Sätze wie: „Das steht mir zu!“ Oder: „Ich habe ein Recht auf Glück!“ Alles ist geliehen, haben wir gehört und nichts steht uns zu. Wenn wir geliebt werden, ist es ein unglaubliches Geschenk. Wenn wir einen Arbeitsplatz haben, der uns entspricht, dürfen wir das als eine wunderbare Gnade verbuchen und wenn wir gesund sind, können wir im Grunde nur täglich aufs Neue dankbar dafür sein. Gerade im Business ist ein Anspruchsdenken sondergleichen eingezogen. Als Wirtschaftstrainerin konnte ich das sehr gut beobachten. Bis zum Exzess steigerten sich die Ansprüche diverser Seminarteilnehmer: Das Hotel sollte noch mehr Essen bereitstellen; die Weiterbildungsmöglichkeiten wurden als selbstverständlich abgetan und die Ansprüche diverser Arbeitnehmerinnen an ihren Arbeitgeberinnen schier bis ins Unermessliche ausgereizt. Bitte versteh mich nicht falsch: Wir brauchen einen fairen Ausgleich. Das ist einer der Basiselemente funktionierender Beziehungen, aber zu tun, als stünde uns all das auf eine selbstverständliche Art und Weise zu, halte ich für eine Arroganz sondergleichen! Hier durften wir alle aus der Rolle fallen und wurden zumindest „angefordert“ und manchmal ziemlich in die Schranken verwiesen. Möglicherweise um nicht in eine noch größere Falle zu rollen!

Weg vom Größenwahn!

Da, wo wir glaub(t)en, eine Weltherrschaft anstreben zu können und alles auf Fingerschnipp zu bekommen, wonach uns gerade ist. Diese hedonistische Falle tappte bei vielen zu und ein Lockdown hätte für viele eine gute Gelegenheit sein können, welche zum Nachdenken und Hinterfragen anregen hätte können. Ja: „hätte“ und „können“ sind hier die wichtigen Worte! Denn der Konjunktiv zeigt, dass viele Menschen sich diesen Themen erst gar nicht aussetzen wollten. All der Frust, der als Zeichen ihres verdrehten Anspruchsdenkens entstanden ist, wurde in den seltensten Fällen bearbeitet und hinterfragt. Viel einfacher war es doch, sofort auf Online-Shopping und Online-Konferenzen umzusteigen. Und jetzt? Machen wir jetzt weiter wie bisher, war die große Frage vorhin? Oder steigen wir aus dem Anspruchsdenken aus? Lernen wir die Welt differenzierter zu betrachten und die Erfahrungen gut zu verwerten. Du entscheidest. Und zwar IMMER! Du entscheidest, wie sehr du deine geöffneten Augen offen lässt oder wieder verschließt. Du entscheidest, wie sehr du MIT diesen Erkenntnissen weitergehst und zu begreifen beginnst, wie fragil all das ist, was du für so stabil gehalten hast. Du entscheidest, ob du eine andere Haltung einnimmst (vielleicht die der Dankbarkeit) oder nicht. Niemand wird dir je eine Entscheidung abnehmen (können). Alleine vor deinem Gewissen muss sie standhalten. Aber eines darfst du mir als Coach glauben: „Wenn wir in die Falle der Selbstverständlichkeit rollen, dann darf uns das Leben aus der Rolle fallen lassen.“ Außer – wir machen das freiwillig, ab und zu…☺!

In diesem Sinne: Nimm dich vielleicht einmal in der Woche oder einmal im Monat für ein paar Momente heraus, um für all deine Geschenke DANKE zu sagen und einen klaren (Über)Blick zu bekommen. Steig aus all deinen Rollen heraus, um dann gestärkt mit den neuen Erkenntnissen und deiner Dankbarkeit wieder einsteigen zu können.

Eine sinnreiche Zeit,
Christine

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Christine Hackl ist ausgebildete Systemikerin, studierte Corporate-Social-Responsibility-(CSR)-Beraterin, ausgebildete Organisationsentwicklerin, diplomierte Lebens-und Sozialberaterin, psychosoziale Beraterin, diplomierte Trainerin für Wirtschafts- und Sozialkompetenzen, systemischer Coach und Buchautorin, ist schon seit über 20 Jahren in der „Menschenbranche“ unterwegs.

Zum Video- und Audiopodcast von Christine Hackl geht es hier…


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Fotocredit: Copyright © Astrid Bartl